Traumhaftes Wandern im Schleifendesign

Die neue Traumschleife Rund um die Kama in Idar-Oberstein – selbst getestet

Wenn man früher ein bisschen spazieren gehen wollte, ging man einfach los. Ambitionierte Wanderer nahmen vielleicht eine topografische Karte mit. Ab und zu waren auch Markierungen an den Bäumen angebracht. Aber auf die hätte ich mich niemals verlassen.

Das ländliche Umfeld einer Stadt habe ich immer auf eigene Faust erkundet. Manchmal geriet man da in eine Sackgasse. Aber das war nicht schlimm, dann ging es halt zurück. Bei diesen Entdeckungstouren wechselten angenehme Waldwege mit halsbrecherischen Kraxelpfaden und eher langweiligen geraden Strecken. Gab es am Wegrand etwas zu bewundern, etwa eine Quelle oder eine fantastische Aussicht, freute man sich. Gab es nichts Besonderes, war es auch nicht schlimm.

Prämierte Wanderwege und ihre Ableger

Heute ist das anders. Alles ist genormt, sogar die Wanderwege. Die Gemeinden wetteifern darum, möglichst viele Prädikate und Zertifizierungen einzuheimsen, um den Tourismus anzukurbeln. Der Saar-Hunsrück-Steig, der von Perl an der französischen Grenze bis Idar-Oberstein und ab 2015 bis nach Boppard am Rhein führt, ist einer dieser prämierten Wanderwege. 2009 wurde er als Deutschlands schönster Wanderweg ausgezeichnet.

Für Wanderer, die nicht ganz so weit wollen und nur ein paar Stunden Zeit haben, wurden an der Strecke eine Reihe von Rundwanderwegen angelegt, die sogenannten Traumschleifen. Um als Traumschleife anerkannt zu werden, muss ein Weg ganz bestimmten Kriterien genügen: Länge zwischen sechs und achtzehn Kilometern, keine längeren geraden Wegabschnitte, nur sehr kurze Strecken über Asphalt oder Schotter, ansonsten schmale gewundene Pfade, eine abwechslungsreiche Umgebung, interessante Aussichtspunkte …

Genügend Zeit mitbringen!

Der Nachteil einer solchen Streckenführung ist ihre Unflexibilität. In den offiziellen Beschreibungen ist meistens die Zeit angegeben, die so eine Traumschleife beansprucht. Aber der eine geht schneller, der andere langsamer. Der eine will Rekorde brechen, der andere die Aussicht genießen und Fotos schießen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Zeitangaben sehr knapp bemessen sind. Selbst wenn das angenommene Tempo für den Durchschnittswanderer stimmen sollte, ist nur die reine Gehzeit darin enthalten. Jede Rast, jedes Foto, jedes Lesen einer Info-Tafel kostet zusätzliche Minuten. Wer nicht in Hektik geraten will, kann gut und gern die doppelte Zeit einplanen.

Schaut man sich die erwanderten Traumschleifen später auf einer Landkarte an, so entdeckt man, dass sich der Weg bei Zeitknappheit auch abkürzen lässt. Das klappt aber nur, wenn man ihn schon kennt, denn sonst läuft man Gefahr, in die Irre zu gehen. Weil die Traumschleifen um des Erlebnischarakters willen grundsätzlich im Zickzack und auf Umwegen verlaufen, verliert man sehr schnell die Orientierung und ist auf die Beschilderung angewiesen. Die Markierung der Wege ist allerdings erste Klasse und nicht zu verfehlen.

Die Edelstein-Stadt bietet mehr als schroffe Felsklippen

Idar-Oberstein verbindet man mit steilen Felshängen. Die Stadt ist bekannt für ihre Felsenkirche und besitzt mit dem Nahe-Felsenweg bereits eine prämierte Traumschleife, die über sehr gewagte Kletterpartien zu wundervollen Aussichtspunkten führt. Letztes Jahr habe ich mich in dieses Abenteuer gestürzt und hier darüber berichtet. In diesem Jahr wollte ich die neu angelegte Traumschleife Rund um die Kama erkunden.

Zunächst mal Entwarnung: Während ich mich auf dem Nahe-Felsenweg auf den steilen Kletterabschnitten ab und zu fast in Lebensgefahr wähnte, ist die Kama-Schleife auch für Durchschnittswanderer sehr gut zu bewältigen. Sie könnte auch „Rund um die Nahe“ heißen, denn meistens geht es mehr oder weniger am Ufer der Nahe entlang, manchmal direkt am Wasser, öfters aber oben auf einem Hang im Wald.

Der Charakter dieser Uferlandschaft unterscheidet sich deutlich von den majestätischen Felsformationen oberhalb von Oberstein. Die Nahe ist ein schmales romantisches Flüsschen, das auch der Bahnstrecke zwischen Saarbrücken und Idar-Oberstein seinen Stempel aufdrückt. Je näher man Idar-Oberstein kommt, umso bergiger wird die Landschaft, umso dichter folgen die Tunnel aufeinander und umso häufiger überqueren Eisenbahnbrücken den schnell fließenden kleinen Fluss mit seinen Strudeln und Stromschnellen. Ihn jetzt in so unmittelbarer Nähe zu sehen, war für mich, als wäre ich aus dem Zug in ein Bild hineingestiegen.

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Über Federspiel

Ich bin die Texterin von www.text-exklusiv.de. Durch meine Blogartikel haben Sie die Möglichkeit, mich etwas näher kennenzulernen und können sich zugleich von meinen texterischen Fähigkeiten überzeugen.

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