Auf der Suche nach dem einzigartigen Inhalt

Anders als die anderenEine kritische Betrachtung über Textbörsen im Internet

Nicht jeder kann gut schreiben. Aber viele wollen mit geschriebenen Texten im Internet Geld verdienen. Die Lösung bieten Text- und andere Jobbörsen, wo jeder Webmaster und sonstige Interessierte zu konkurrenzlos niedrigen Preisen Texte aller Art kaufen kann, keyworddurchsetzt und suchmaschinenoptimiert. Aber wie steht es um die Qualität dieser Texte und was folgt daraus für das Internet als Informationsquelle?

Bevor ich anfing, fürs Internet zu schreiben, hatte ich den Ausdruck unique content noch nie gehört. Sie auch nicht? Aber vielleicht haben Sie schon einmal danach gesucht, nach dem „„einzigartigen Inhalt““ nämlich. Stellen Sie sich vor, Ihr Lieblingskaktus bekommt plötzlich braune Flecken oder Ihre selbst gezüchtete Venusfliegenfalle verliert den Appetit. Weder gutes Zureden noch Omas Hausmittel helfen. Sie suchen nach Ratschlägen im Internet und geben in die Suchmaschine die Wörter „„Kaktus braune Flecken““ ein. Google zeigt Ihnen dann meist mehrere tausend Einträge an, in denen einer oder mehrere der gesuchten Begriffe vorkommen. Unmöglich können Sie die alle anklicken. Sie werden sich daher auf ein paar der an oberster Stelle stehenden beschränken. Die Informationen, die in den schlechter platzierten Webseiten versteckt sind, und mögen sie noch so wertvoll sein, sind für Sie verloren.

 Google ist Trumpf

Das wissen auch Webmaster. Sie bemühen sich daher, ihre Seiten so zu gestalten, dass Google ihnen einen möglichst hohen Rang einräumt. Das Zauberwort dafür heißt SEO, eine Abkürzung für search engine optimized, zu Deutsch „“suchmaschinenoptimiert““. Suchmaschinenoptimiert ist ein Text, wenn er oft genug gewisse keywords oder Schlüsselwörter enthält und außerdem unique, also einzigartig ist. Ein einzigartiger Text – da schlägt das Surferherz doch höher, denn wer möchte so etwas nicht gern lesen? „Unique“ bedeutet allerdings nur, dass der Text in genau dieser Form nicht noch ein zweites Mal im Netz vorkommt. Ob er auch inhaltlich betrachtet wirklich „einzigartig“ ist, kann eine Suchmaschine nicht feststellen. Wirklich einzigartige Texte zu produzieren ist kein Kinderspiel. Es erfordert gründliche Recherche, logisches Denken und sprachliche Kreativität. Natürlich auch perfekte Rechtschreib- und Grammatikkenntnisse, aber die sind für einen Texter, der sein Metier ernst nimmt, selbstverständlich. Für so manchen Webmaster sind sie es nicht. Außerdem fehlen ihm oft die Zeit, sich gründlich über ein Thema zu informieren, und die Lust oder die Fähigkeit zum Schreiben. Ja, aber warum stellt man dann überhaupt eine Homepage oder einen Blog ins Netz, wenn man nichts zu sagen hat, fragt sich die naive Leserin. Nun, ganz einfach, um Geld mit Werbeeinnahmen zu verdienen. Dafür muss möglichst viel traffic produziert werden. Es müssen also viele Besucher angelockt, die Seite muss bekannt gemacht werden und einen möglichst guten Rang in den Suchmaschinen erhalten. Nur diesem Zweck dienen die eingestellten Texte, der content, mit interessanten Titeln und scheinbar interessantem Inhalt.

 Keywords o.k., alles o.k.?

Wer mit bloßem Publikumsverkehr und angeklickten Werbebannern Geld verdient, für den ist der Inhalt seiner Texte zweitrangig. Was tut’’s, wenn der zunächst durchaus geneigte Leser nach Lektüre einiger Sätze feststellt, dass der hochgerankte Text nichts weiter enthält als einige schlecht formulierte Plattitüden und Allgemeinplätze in zweifelhafter Rechtschreibung? Die frustrierte Leserin surft zurück zu Google und versucht ihr Glück noch auf drei oder vier weiteren Seiten. Findet sie auch dort nichts Konkretes zu den Problemen von Kaktus und Venusfliegenfalle, wendet sie sich ganz vom Internet ab und fragt vielleicht die Nachbarin um Rat oder findet sogar den Weg in eine Buchhandlung.

 Woher kommen diese Texte?

Texte, die nur aus aneinandergereihten Wörtern ohne den geringsten informellen Wert bestehen, tauchen in letzter Zeit immer öfter auf. Wie finden sie ihren Weg ins Netz? Warum schreibt jemand, der nicht schreiben kann und nichts zu sagen hat? Aus demselben Grund natürlich, aus dem wir alle die eine oder andere ungeliebte Arbeit erledigen. Des Geldes wegen. Die Verfasser von unbeholfenen Online-Texten ohne Inhalt verdienen mit ihrer Schreiberei tatsächlich Geld. Glauben Sie mir nicht? Ist aber so.

 Wer zahlt für diese Texte?

Webseiten brauchen Inhalt, Webmaster betreiben mehr Seiten, als sie selbst mit Inhalt füllen können. Webmaster wollen Geld verdienen. Wenn sie also schon Texte kaufen müssen, wollen sie möglichst viel Text für möglichst wenig Geld. Dafür gibt es Jobbörsen und Textplattformen. „“Brauche 150 Texte à 300 Wörter aus den Bereichen Gesundheit, Versicherungen und Immobilien. Bezahlung 0,8 Cent pro Wort.““ Darauf darf sich dann jeder, der zu viel Zeit hat und kein Geld braucht, bewerben. Für Schüler und Hausfrauen mit gut verdienendem Partner vielleicht ein nettes Taschengeld. Für hauptberufliche Texter, die von ihrem Verdienst leben müssen, indiskutabel.

 Höchste Qualität, niedrigster Lohn

Leider ist das Phänomen der Billigtexterei längst nicht mehr auf den SEO-Bereich beschränkt. Denn die Existenz eines Marktes für Texte zum Dumpingpreis bleibt natürlich nicht verborgen. Und so sagen sich Betreiber von Online-Shops und Informationsportalen, die tatsächlich gut geschriebene Texte mit gut recherchierten Inhalten benötigen, vermeintlich zu Recht: „“Warum soll ich mehr zahlen, wenn es Texte schon für weniger als einen Cent pro Wort zu kaufen gibt?““ Und formulieren folgende Arbeitsanweisung: „“Wir benötigen einen hochwertigen Text über die neusten Änderungen der DIN-Norm für die Innengewinde von Drehschraubschlüsseln. Unique Content sowie einwandfreie Rechtschreibung und Grammatik setzen wir voraus. Bitte kein Gelaber, sondern nachprüfbare Informationen mit Mehrwert für den Leser. Texte, die diese Anforderungen nicht erfüllen, werden abgelehnt.““ So oder ähnlich kann man es in hundertfacher Ausfertigung auf diversen Textportalen lesen. Lohn der Mühe: 1,2 Cent pro Wort. Und für diesen Luxuslohn darf mitnichten jeder schreiben. Auf Textbörsen reicht man zunächst einen Probetext ein, woraufhin man in eine von mehreren Güteklassen eingeteilt wird. 1,2 Cent entspricht bei einem der bekanntesten Anbieter bereits der zweithöchsten Preisklasse. Noch mehr verdienen nur die Profis. Der Bedarf ist da, das Geschäft floriert, die Textkäufer sind überwiegend zufrieden. In der 5-Sterne-Profiklasse, die mit 4 Cent pro Wort wahrhaft königlich entlohnt wird, sind nur selten Aufträge zu finden. Also müssen auch die „„Profis““ mangels Alternativen für 1,2 Cent schreiben oder es ganz bleiben lassen. Daher wird es für 4-Sterne-Aufträge ab und zu auch mal professionelle Texte ohne Fehl und Tadel geben. So etwas spricht sich herum. Warum also mehr zahlen, wenn man dasselbe auch billiger haben kann?

 Was sind eigentlich „“gute Texte““?

Doch was kann man für einen Cent pro Wort realistischerweise erwarten? Um bei diesem Honorar auf einen Stundenlohn von 10 Euro zu kommen, müsste ein Texter 1000 Wörter pro Stunde schreiben, das sind ca. zwei DIN-A4-Seiten. Nehmen wir an, er braucht 15 Minuten zum Tippen einer DIN-A4-Seite, dann bleiben noch einmal 15 Minuten für die Recherche und die gedankliche Konstruktion des Textes. Welche Qualität, glauben Sie, kann dabei herauskommen? Zumal der Texter, um auf einen Brutto-Monatsverdienst von ca. 1200 Euro zu kommen, an fünf Tagen der Woche ca. sechs Stunden täglich ohne Unterbrechung in diesem Tempo arbeiten müsste. In der Praxis ist das für eine anspruchsvolle geistige Tätigkeit auf Dauer unmöglich. Wer also Billigtexte für ein realistisches Geschäftsmodell hält, geht entweder implizit davon aus, dass der Texter ihm den größten Teil seiner Arbeitszeit schenkt, oder er kann für einen Niedrigstlohn auch nur Ramschware erwarten. Der Wortlaut mancher Ausschreibungen lässt vermuten, dass der Auftraggeber selbst keinen einzigen fehlerfreien Satz zustandebrächte. Wie will er dann beurteilen, ob der abgelieferte Text gut oder schlecht ist und was einen besseren Text von einem schlechteren unterscheidet? Der Inhalt ist vielen Auftraggebern sowieso egal, Hauptsache, er ist nicht irgendwo wörtlich abgeschrieben, siehe oben. Das Nachsehen haben neben den Lesern dieser „„uniquen““ Texte diejenigen Auftraggeber, die tatsächlich informative und sprachlich einwandfreie Texte bräuchten: Freiberufler, Betreiber von Online-Shops und seriösen Informationsportalen. Die tun sich selbst und ihrer Klientel mit Billigtexten keinen Gefallen. Denn Texte erfüllen im Internet die Funktion einer Visitenkarte. Der Leser schließt direkt vom veröffentlichten Text auf den Betreiber des Shops oder der Webseite. Wer mir auf seiner Webseite einen vor Fehlern strotzenden inhaltsleeren Text präsentiert, den kann ich nicht ernst nehmen. Da klicke ich sofort weiter.

Bildquelle: JMG / pixelio.de

Über Federspiel

Ich bin die Texterin von www.text-exklusiv.de. Durch meine Blogartikel haben Sie die Möglichkeit, mich etwas näher kennenzulernen und können sich zugleich von meinen texterischen Fähigkeiten überzeugen.
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